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  1. #1
    Aktives Forenmitglied Avatar von Pipi77
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    Hallo Pflegeboard!

    Wir sind zur Zeit daran, unsere Pflege (Sorry, natürlich die der Station auf der ich arbeite) nach der Theorie von Dorothea Orem auszurichten.
    Einen ersten Schritt in diese Richtung haben wir mit einer Fortbildung zur Darstellung der Theorie getan, als nächstes plant der AK, sich vorerst mal 2 oder 3 Patienten rauszugreifen, um mit ihnen eine Planung etc. zu erstellen und im Sinne der (für uns sich daraus ergebenden) Methode des Primary Nursing von der Aufnahme bis zur Entlassung zu betreuen. Falls irgendwer mit einem solchen Vorhaben schon Erfolg (oder auch nicht...)hatte, würde es mich freuen, etwas zu hören.
    Zum Hintergrund: Interdisziplinäre Frühreha, v. a. Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen, bisher Pflegeplanung nach dem ATL-Modell, starke Einbindung ins interdisziplinäre Team (Ergo-, Dysphagietherapie, Logo, KG, etc.)

    Herzlichen Dank,
    Martin

  2. #2
    Sigi
    Gast Avatar von Sigi
    Hallo Martin,

    die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Dorothea Orem ist ein sehr interessantes Pflegekonzept, wenngleich auch ein sehr schwieriges, wie ich finde. Hierbei steht aber nicht die Lösung einzelner Probleme im Vordergrund, sondern erwartet eine übergeordnete, systemische Betrachtungsweise pflegerischer Phänomene, sagte und schrieb Gerd Bekel. Er schrieb übrigens die erste deutscheAusgabe 25 Jahre nach Erscheinen von Nursing: Concepts of Practice. Ich hatte ca. 2 Jahre eine Fortbildung bei ihm,die abschließend auf einem internationalen Kongress in Leuven / Belgien endete. Noch heute arbeite ich gerne mit diesem Konzept, zwar nicht ausschließlich, aber oft hilft sie mir, um Pflege zu definieren.
    Ich weiss zwar nicht genau, was Ihr da beabsichtigt und welche Vorkenntnisse Ihr zu dieser Theorie mitbringt, aber unstrittig ist die Arbeit nach Orem höchst interessant. Wenn Du etwas näher erklärst, worum es bei Eurem Projekt gehen soll, kann ich besser entscheiden, ob ich Euch dabei unterstützen kann.

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    Gruß Sigi

    [Dieser Beitrag wurde von Sigi am 11. Dezember 2000 editiert.]

  3. #3
    Kristin
    Gast Avatar von Kristin
    Hallo Martin,
    ich möchte mich (wie so häufig )Sigi anschließen. Allerdings kritisiere ich neben der schwierigen Umsetzung in die Praxis, den Defizit Blickwinkel von Frau Orem. Gerade in eurem Bereich wäre eine Ressourcenorientierte Pflege doch sinnvoller, meine ich. Wir haben vor einem Jahr aus diesem Grund von den ATLs auf die AEDLs von Krohwinkel gewechselt und haben sehr viel erfolg. Einmal hat dieses einen Bezug zu den ATLs und ist damit schon bekannt und zusätzlich bringt die Fähigkeitenorientierung, sehr viel Selbstpflegepotential ans Tageslicht und die Pflege wird erfolgreicher.
    Viele Grüße Kristin

  4. #4
    Auggie
    Gast Avatar von Auggie
    Hallo Martin
    eine gute Arbeit zum Modell des "Primary Nursing" findest Du in der Pflegezeitschrift 8/99.
    Viele Grüsse,Rolf

  5. #5
    Aktives Forenmitglied Avatar von Pipi77
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    Hallo Ihr Alle!
    Nun, zuerst finde ich es schön, dass es in der deutschen Pflegelandschaft doch Leute gibt, die sich mit der Theorie von Orem beschäftigen!
    Eigentlich war unsere Entscheidung für "Orem" ganz einfach. Unsere Abteilung war bei der Entwicklung der Fachweiterbildung "Rehabilitation" in München (vor ca. 8a) recht eng involviert, die sich eigentlich seit dem ersten Kurs nach Orem ausrichtet.
    Zwar war bisher oft von Orem die Rede,v. a. von Kollegen mit dieser FWB und da ich während meiner Einarbeitung vor 1 1/2 Jahren mit dem Begriff wenig anfangen konnte habe ich mich daraufhin mehr oder weniger intensiv damit beschäftigt, doch hat sich, wohl auch durch das Dokusystem, die ATL- orientierte Planung durchgesetzt, die nun auch EDV-gestützt läuft, doch nicht den gewünschten Erfolg hat, da die Planung aus räumlichen Gründen die Probleme/Ressourcen/Ziele von den Maßnahmen trennt(Extra Seite incl. Durchführungsnachweiss) und so oftmals zwar die Massnahmen aktualisiert wurden, aber die Planung an sich unverändert blieb, auch wenn sie nicht mehr aktuell war. So kam es zu einer Gründung eines AKs, der sich mit der Reformierung der Pflegeplanung beschäftigt.
    Da kam es bald zu dem Ergebniss, dass die ATLs und die dahinterstehende Pflegetheorie von Juchli/Roper uns zu unflexibel war, eine Ausrichtung nach Orem eben durch die Vorgeschichte war fast logisch.
    Unserer Meinung nach ist die Theorie von Orem nicht zwangsläufig defizitorientiert, da sie einem recht viel Freiraum bzgl. der praktischen Umsetzung läßt und man sie so durchaus ressourcenorientiert sehen kann!
    Unser Ziel, den Menschen wieder möglichst alltagstauglich bzw. selbstpflegefähig zu entlassen, kam uns die Theorie sehr entgegen, da wir die Patienten meist vom Akutgeschehen bis zur Versorgung im häuslichen Rahmen (soweit möglich) betreuen können.
    Unser Ziel ist es, die Pflege/Reha durchgängiger und klientenorientierter zu gestalten.
    Unsere erste konkrete Massnahme dahin war, zu evaluieren, in wie weit die Theorie bekannt ist, dass Ergebniss war von recht hohem Wissenstand bis völliger "Unwissenheit" breit gefächert. Der nächste Schritt war eine Fortbildung mit dem Ziel der Theoriedarstellung, die auch bei eher "theoriefeindlichen" Kollegen sehr gut ankam.
    Der nächste geplante Schritt ist eine formale Umstellung der Pflegeplanung, an der sich u. a. auch die SL beteiligen wird.

    Bis bald,
    Martin

    P.S.:Ein Skript der Fobi kann ich gerne verschicken, falls gewünscht. Es stützt sich v. a. auf das Buch "Pflege nach Orem" von S. Cavanaugh (oder so...) erschienen om Lambertusverlag, da ich eine deutsche Übersetzung des "Nursing: Concepts of Practice" nirgens auftreiben konnte.


  6. #6
    Sigi
    Gast Avatar von Sigi
    Hallo Martin,
    ich wäre schon an dem Skript der FOBI interessiert.
    Übrigens kannst Du das Buch >> Strukturkonzepte der Pflegepraxis >> von Gerd Bekel im Buchhandel unter der ISBN 3-86126-548-6 im Ullstein Mosby - Verlag bekommen. Ein recht informatives Schriftwerk und wohl die einzige (?) deutsche Übersetzung von: "Nursing - Concepts of Practice" von Dorethea E. Orem.

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    [Dieser Beitrag wurde von Sigi am 13. Dezember 2000 editiert.]

  7. #7
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    Hallo Sigi!
    Leider war mein Rechner eine zeitlang hin, desswegen gabs von mir keine Reaktionen bzw. Lagemelungen!
    Was hältst Du von dem Skript und welche Vorschläge zum weiteren Vorgehen hättest Du?

    Gruss, Martin

    [Dieser Beitrag wurde von Martin Müller am 30. Dezember 2000 editiert.]

  8. #8
    Sigi
    Gast Avatar von Sigi
    Hallo Martin,

    das mir übersandte Skript habe ich gelesen und möchte dazu anmerken, dass es als grobe Erstinformation über die Selbstpflegedefizit-Theorie von D. E. Orem sicherlich seinen Zweck erfüllt. Als Grundlage zur Einführung des Konzeptes reicht es meiner Meinung nach leider nicht aus.
    Die Selbstpflegedefizit-Theorie von Orem muß als eine völlig andere Pflegephilosophie verstanden und gelebt werden. Und das nicht nur von einigen Mitarbeitern innerhalb einer Einrichtung oder Institution, sondern für alle Mitarbeiter verbindlich – als gültiges Pflegekonzept. Es kann nicht sein, dass z.B. Mitarbeiter zur Aushilfe auf einem Bereich kommen dessen Pflegemodell sie nicht beherrschen. Ich möchte Euch nicht demotivieren, aber Orem nur in einem Teilbereich einer Einrichtung einzuführen, halte ich für wenig effektiv und inkonsequent in Anbetracht neuer Denkansätze seitens der Mitarbeiter.
    Deinen Ausführungen entnehme ich, dass Ihr Euch mit der Definition von Pflege auseinandersetzt. Und wenn Ihr das mit den Gedanken von D. E. Orem macht, werdet Ihr feststellen, dass Pflege weitaus mehr beinhaltet als herkömmliche Definitionen es rüberbrachten.
    Grundkonzept bei Orem ist: Patienten / Bewohner so viel wie möglich ( Selbständigkeit ) – Pflegepersonal so wenig wie nötig ( pflegerische Hilfe ).
    Für Orem - Unkundige hat dieses pflegerische Verhalten des Personals oft etwas mit Faulheit zu tun. Bei näherer Betrachtung ist diese pflegerische Handlung jedoch höchst effektiv.
    Mein Vorschlag für Euch wäre, dass Ihr Euch im Rahmen eines Arbeitskreises weiterhin mit der Theorie von Orem beschäftigt und führt zur Festigung gewonnener Erkenntnisse durchaus Projekte in Absprache mir Eurem Arbeitgeber durch. Vermeidet aber Frustration durch zu frühe Umsetzungsversuche der Theorie bei noch nicht ausreichender Festigung des Wissens.


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  9. #9
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    Hallo Sigi!
    Danke für Deine Antwort, ich bin sehr froh, dass die Diskussion noch nicht eingeschlafen ist!!
    Sorry, wie ist das mit der Devise am Ende Deiner Beiträge...? !
    Nun, ich denke, ich/wir lassen uns sicher nicht demotivieren, denn das das Konzept wurde von 85% der MA als tauglich befunden, die restlichen 15% waren anfangs skeptisch, aber nach vielen Diskussionen ziehen alle an einem Strang!
    Eine formelle Pflegeplanung nach dem Oremschen Konzept haben wir entwickelt bzw. für unsere Bedürfnisse abgeändert und haben damit erste Praxiserfolge, denn im Oremschen Sinne arbeiten bei uns eh schon sehr viele, es fehlte lediglich am theoretischen "Überbau".
    Nun, Dein Einwand, ein neues Konzept nur in einem Teilbereich einer Einrichtung einzuführen sei sinnlos, stößt mir in zweierlei Hinsicht etwas sauer auf bzw. ist so nicht richtig! Ich denke, man sollte neue Wege nicht aufgrund organisatorischer Zwänge oder eingefahrener Köpfe n i c h t zu gehen wagen, sonst gäb's heute auch sicher noch Funktionspflege, keine Kinästhetik, keine Basale Stimulation.....!
    Zweitens ist die Struktur unserer Abteilung absolut reformfähig, als Beispiel möchte ich anführen, das die Station schon vor 15 Jahren die erste war, die Reha im Akutkrankenhaus betrieben hat, bei uns wohl u. a. als erste das St. Gallener Modell in der Pflege impliziert wurde usw. (zwar hatte ich damals wohl noch vorwiegend Legosteine im Sinn, doch die visionären Gedanken/ Resourcen sind immer noch die gleichen!).
    Unsere Abteilung in einem grossen Akutkh. besteht aber eben glücklicherweise nur aus zwei bettenführenden Stationen mit insges. 50 Betten, was die Sache absolut realistisch und durchführbar macht.
    Zu der Sache mit den Aushilfen möchte ich sagen, dass es für mich kein Grund ist, denn ich habe in den 2 Jahren kein einziges Mal erlebt, dass wir eine gebraucht hätten, zum anderen darf meiner Meinung nach ein Ausnahmefall nicht die Entwicklung einer Station lenken!
    Nun denn,
    freue mich, bald etwas neues zu hören,
    Martin

  10. #10
    Registriertes Forenmitglied Avatar von Uwe Genge
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    Hallo Martin, hallo Siggi,
    ich möchte mich in Eure Diskussion mitanhängen, stehen wir doch vor einem ähnlichen Problem. Das Modell und seine Kerngedanken rüberzubringen ist die eine Seite, eine andere die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Mir fiel auf, daß z.B. die Pflegedokumentation oft den Orem'schen Anforderungen nicht angepasst werden, allerdingst ist mir bis auf ein Poster, daß ich vergangenen Pflegetheorien-Kongreß in Nürnberg zur Umsetzung von Orem in die Pflegedokumetation gesehen habe auch keine entsprechneden Doku-Blätter bekannt. Wie habt Ihr das gemeistert?

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