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  1. #1
    MarcMann
    Kein Forenmitglied Avatar von MarcMann
    Hallo Ihr,

    vor 1 1/2 Wochen schrieb ich über die sterbende Frau.
    Sie hat das Alter, um sterben zu dürfen, sie hat die Krankheit (ausgeprägte Hirnblutung) und eine sehr schlechte Prognose. Sie war nicht ansprechbar, reagierte nur auf größere Schmerzreize. Sie mußte ca. 2stündlich abgesaugt werden. Sie wurde nur mit einem Minimum an Nährstoffen und ausreichend Flüssigkeit i.v. versorgt, bekam Morphium.

    Ihre Grundsituation hat sich nicht verändert bis heute, die Absaugintervalle sind nur kürzer geworden...

    Bevor jemand auf falsche Gedanken kommt: Ich bin kein Richter und will kein Henker sein.

    Dennoch stellen sich mir Fragen, wenn ich sie dort liegen sehe:
    Womit hat diese Frau das verdient? Welche "Gnade" steckt dahinter. Was wäre, wenn es eine rechtliche und moralische Möglichkeit gäbe, diesem Leiden ein Ende zu bereiten? Wie könnte es aussehen?
    Jeder von uns wird sich sicher, wie ich, in einer solchen Situation schon gesehen haben. Was habt Ihr denn dabei gedacht?

    Die Diskussionen hier im Forum haben mich sehr beschäftigt; aufgrund ihrer habe ich eine Diskussion im kleinen Kreis auf Station angefangen. Wir haben uns Gedanken gemacht, was noch fehlen könnte, damit sie sterben darf. Eine Theorie war, daß sie vielleicht nur noch nach Hause, nicht im KH sterben will. Sie war bis vor 3 Wochen noch aktiv im Familiengeschehen beteiligt. Wenn die Theorie stimmen würde, wäre eine Lösung geschaffen. Doch es gibt keine Möglichkeit, i.v.Medikation und das Absaugen zuhause auf dem Lande sicher zu stellen.

    Johannes, ich weiß nicht, was Du machen würdest. Vielleicht würde sie den Trost, den Du spenden würdest, mitbekommen, vielleicht würde er für sie eine Möglichkeit bieten, Abschied zu nehmen. Dann würde ich Dich um Deine Möglichkeiten beneiden. Doch was tust Du, wenn sie nicht darauf anspricht?

    Diese Situation macht mich hilflos.

    Marc

    Nicht möglich! Nicht möglich!


  2. #2
    Joerg Guenther
    Kein Forenmitglied Avatar von Joerg Guenther
    Hallo Marc,
    Dein Beispiel berührt mich tief, da wir gerade gestern den Vater einer Freundin begraben haben. Die Situation war ähnlich, Apallisches Syndrom. In diesem Falle haben sich die Familienangehörigen am Sterbelager abgelöst. Es wurde vorgelesen, abschied genommen. Nur der Sterbende konnte noch nicht gehen. Es war noch etwas zu erledigen. Er war geschieden und hatte immer den Wunsch mit seiner ehemaligen Frau in freundschaftlicher Verbindung zu bleiben. Er hatte aber die Angst zurückgewiesen zu werden. Nun am Sterbebett kam seine ehemaligige Frau und sprach mit ihm, hielt ihm auch die Hand. Sicherlich war dies ein Grund nun loszulassen und zu gehen.

    MfG
    Jörg

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  3. #3
    Kai-Uwe
    Kein Forenmitglied Avatar von Kai-Uwe
    Hallo Marc

    Ich meine so welche Situationen zu kennen,Pat. dürfen sterben können aber einfach nicht loslassen.Ich für mich werde seitdem ich die Leute mit Basaler Stimulation begleite mit solchen Situationen besser fertig,ich kann ihnen Angebote machen um es ihnen vieleicht ein wenig zu Erleichtern Loslassen zu können oder ihnen einfach ein wenig Angst zu nehmen.Soetwas wie Hilfslosigkeit verspürt man zwischenzeitlich immer wieder weil man ja meist nicht weiß was in dem zu begleitenden Menschen vorgeht.Ich für meinen Teil glaube nicht das man mit einer rechtlichen Möglichkeit in so welchen Situationen weiter kommen würde,weil wer will es den Entscheiden.


    MfG Kai-Uwe

    ------------------

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  4. #4
    Bodo
    Kein Forenmitglied Avatar von Bodo
    Hallo Marc
    Aus meiner Onkologieerfahrung ist mir eure Situation vertraut. Ist die Frau nach deiner Meinung noch aufnahmefähig, bekommt sie das Umfeld noch mit?
    Ganz häufig findet man möglichkeiten der Personen zu helfen wenn man das Umfeld näher durchleuchtet, mit den Angehörigen spricht, gibt es eine Situation die für die Dame noch offen ist, das sie noch erledigt haben möchte?
    Wie häufig sind die Angehörigen da, wie verhalten sich diese bei der Frau? Es kommt häufig vor das die sterbenden Personen das Gefühl brauchen auch Sterben zu dürfen.
    Hört sich verdreht an, aber du hast geschrieben das Sie bis vor kurzer Zeit noch voll im Familienleben stand und daher noch innerlich denken könnte das sie noch ( zusehr gebraucht wird). Ich habe das extra in Klammern geschrieben da jede existenz für andere Personen wichtig ist.
    Ein Beispiel was mir immer in Gedächnis geblieben ist.:
    39 jährige Frau mit Familie und 2 Kindern.
    Die Frau ich nenne sie mal Frau M. hatte eine AML, auf keine Therapie angesprochen, massives Gewichtverlust. Nach und nach versagten die Organe. Frau M. "durfte" dann auch sterben bekamm einen Mo-Perfusor, zusätzlich eine Psyquil Perfusor und hat sich damit noch über Tage gelebt.
    Keiner wuste was sie noch am leben gehalten hat und warum sie so kämpfte. erst nach Gespräche mit dem Ehemann stellte sich herraus das die Familie erst kurz vor der Erkrankung ein Haus gebaut hatte und Frau M. sich um die finanziellen Sachen Zuhause kümmerte. zudem hatte sie eine sehr intensive Bindung zu den 2 Kindern die sie seit es ihr schlechter ging nicht gesehen hatte. Da die Kinder etwas älter waren haben wir es umorganisiert das Sie nochmal die Möglichkeit hatten mt der Mutter zu reden. Zudem hat der Ehemann ihr noch verschiedende Dinge gesagt z.B. das das Familienumfeld gesichert ist, das natürlich alle sehr traurig sind aber es ok ist das sie gehen kann.
    2 std später ist sie ruhig entschlafen.
    Sicher kann das mit dem Sterben der Frau nichts zu tun haben. Ich habe aber ähnliches häufiger in anderen Situationen erlebt und bin davon überzeugt das solche innerlichen Kämpfe den Menschen das Sterben erschwert.
    Jetzt habe ich viel geschrieben um nur zu sagen das man
    als betreunende Person sich Gedanken über den betroffenden Menschen machen sollte und zwar nicht nur als "Patient"
    sondern auch als Ehefrau, Oma, etc. um Lösungen in der letzten Phase des lebens zu suchen.
    Ich hoffe das ich Denkanstöße geben und evtl. etwas helfen kann
    MfG Bodo


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  5. #5
    Gesperrter Benutzeraccount Avatar von haus maranatha

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    Hallo Marc,

    ich hoffe, daß Du von mir kein Patentrezept in dieser Situation erwartest. Es ist sicher mehr als schwer, in einer solchen Situation hilflos daneben stehen zu müssen in dem Bewußtsein, nichts oder nur sehr wenig tun zu können.

    Wenn ich mich hier dazu äußere, bitte ich darum, daß auch von den anderen Gesprächsteilnehmern nicht wieder der Vorwurf erhoben wird, ich wollte missionieren. Ja, ich habe mir Deinen Beitrag lange durch den Kopf gehen lassen und mich gefragt, was ich tun würde. Aber alles, was ich hier sage, kann als graue Theorie, kluge Sprüche oder ähnliches bewertet werden.

    Es war nie und ist auch hier nicht meine Absicht, "Porzellan zu zerschlagen". Vielleicht gelingt es Euch aber doch, meine Gedanken als Möglichkeit zu betrachten.

    Marc, da ich aus Deinem Profil ersehe, daß Du Krankenpfleger bist, - verzeih, wenn ich das einmal so formuliere - bist Du nicht in der Position, eine umfassende, weitreichende Entscheidung in bezug auf diese Frau zu treffen.

    Die Möglichkeiten, die ich für Dich sehe, erschöpfen sich vielleicht darin, ihr körperliche Erleichterung zu bringen mit Schmerztherapie (wie vom Arzt verordnet), absaugen, usw.

    Wenn Maschinen sie noch am Leben halten, trägt hierfür sicher jemand anders die Verantwortung. Ich hätte Bedenken, sie abzustellen wegen der Rechtslage in Deutschland. Aber vielleicht erinnerst Du Dich daran, daß ich bereits früher ausgeführt hatte, daß es für mich mehr als fraglich ist, alles, was technisch machbar ist, unter dem Begriff Menschlichkeit einzuordnen. Sicher, unsere Gesellschaftsordnung will es so. Aber aus meiner Sicht als Christ halte ich es nicht für gerechtfertigt. Deine Fragen: "Womit hat diese Frau das verdient? und Welche Gnade steckt dahinter?", sind berechtigt.

    Für mich zeigen sich gerade an solchen Schicksalen die schrecklichen Auswirkungen der Trennung von Gott. Er wollte nie, daß sein Geschöpf, das er liebte, leidet. Auch wenn viele die Existenz eines Teufels in Abrede stellen: nach den Aussagen der Bibel ist er immer darauf bedacht, die Menschen zu zerstören. Dabei ist der Tod vielleicht noch die gnädigste Methode. Krankheit und Leid, weil meist bei vollem Bewußtsein sind weit härter zu ertragen.

    Weil Gott gesehen hat, daß es so kommen wird, hat er die Befreiung des Menschen aus diesem Teufelskreis lange voraus geplant.

    Auch wenn es den einen zornig werden läßt, dem anderen lächerlich erscheint oder dem anderen fanatisch erscheinen mag, komme ich nicht daran vorbei zu sagen, daß Gott mehr darunter leidet, daß die Menschen, die er geschaffen hat und die er liebt, so sehr leiden müssen.

    Seine Liebe verbietet es ihm aber, dem Menschen seine Liebe aufzuzwingen. Und das ist sein Problem. Wir hätten es gern alle perfekt - oder auch nicht. Wir sehen in vielen Dingen unsere Ohnmacht. Dennoch lehnen viele die Hilfe, die angeboten wird, ab. Würde Gott seine Liebe aufzwingen, wäre er nicht besser als sein Gegenspieler und dieser könnte mit Recht behaupten, Gott sei ein Diktator.

    Diese komplizierte Situation wird eindrucksvoll im Buch Hiob dargelegt. Aber gerade in der von Dir geschilderten Situation wird unsere eigentliche Hilflosigkeit sichtbar. Es gäbe sie ohne die Trennung von Gott überhaupt nicht.

    Der Verstand sagt hier: Schaltet die Maschinen ab. Das Gesetz - wohlgemerkt auf der griechischen Philosophie basierend - sagt: das darfst Du nicht.

    Es ergeben sich hier sehr viele Fragen: Von welcher Lebenseinstellung gehen die Angehörigen aus? Nehmen sie das Geschehen um diese Frau aus der Hand Gottes? Ich stelle mir vor, aus dem Vertrauen auf ihn würde es kein Problem sein, die Maschinen abzustellen, da sie die Frau in Gott geborgen wissen.

    Glauben sie nicht an Gott? Klammern sie sich an jeden noch so kleinen Funken, daß sie wieder zurückkommt? Sagen sie, es ist doch alles egal? Ich kenne sie nicht. Ich kenne ihren Hintergrund nicht. Aber ich würde versuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um ihre Position herauszufinden. Wenn diese unbekannt ist, sehe ich so gut wie keine Möglichkeit, Hilfestellung zu bieten, mit dieser Situation fertig zu werden.

    Für die Frau selber: war sie gläubig? War sie es nicht? Einem nicht gläubigen Menschen mit Gott und der Bibel zu kommen, ist für ihn wie eine Vergewaltigung. Ich sehe mich nicht dazu berechtigt. Trost für die Zukunft, ein neues Leben kann man da gewiß vergessen. Dann bleibt nur das sich Beschränken auf die Eingangs genannten Maßnahmen, die noch möglich sind, das Sterben zu erleichtern.

    War die Frau gläubig, kann es sehr wohl sein, daß mit dem Lesen von Bibelworten ihr Trost gespendet wird. Was sie mitbekommt weiß letztendlich niemand genau. Wenn Du selber nicht beten kannst, aus welchen Gründen auch immer, besteht die Möglichkeit, sich mit jemand kurz zu schließen, der es kann. Auch Gebetskreise in ihrer Kirchengemeinde können erstaunliche Hilfe sein. Sie kann genesen, sie kann aber auch sterben. Ein Gläubiger Mensch wird weder das eine, noch das andere von Gott erpressen wollen.

    Vielleicht ist eines noch wertvoll zu wissen. Gott ist nicht mein Gott, sondern unser aller. Ob wir an ihn glauben oder nicht. Diese Situation wäre nicht die erste, eine erste Begegnung mit ihm zu haben, auch wenn er bisher keine Rolle im eigenen Leben gespielt hat. Und es würde sicher auch nicht die letzte Situation sein.

    Ob es Dir weiterhilft, weiß ich nicht. Doch ich vermute, daß wieder einige über mich herfallen werden. Ich weiß aber auch, daß meine Erfahrungen sich mit denen tausender anderer Gläubiger decken. Daß ich bisher hieraus Kraft geschöpft habe, meine Arbeit verantwortungsvoll auszuführen.

    Um auf Deinen letzten Satz kurz einzugehen: Ich weiß, daß ich nicht allen Menschen helfen kann. Aber ich kann sie alle lieben. Ich kann Hilfe anbieten. Sicher ist es traurig, wenn es nicht klappt, aber so ist die Welt nun mal.

    Es hat mal jemand gesagt: Du kannst verhindern, daß ich Dich sehe. Du kannst verhindern, daß ich Dich berühre. Du kannst verhindern, daß ich mit Dir spreche. Aber Du kannst nicht verhindern, daß ich Dich liebe." Dem möchte ich mich anschließen.

    Gruß

    ------------------
    Johannes Paetzold

    [Dieser Beitrag wurde von haus-maranatha.com am 18. Dezember 2000 editiert.]

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  6. #6
    Joerg Guenther
    Kein Forenmitglied Avatar von Joerg Guenther
    Sehr geehrter Herr Paetzold
    Es tut mir leid, wenn Sie das Empfinden haben, jemand wolle über Sie herfallen. Das ist weder mein, noch denke ich jemanden anderen Wille. Allerdings hatte ich teilweise das Gefühl für mich. Sie scheinen sehr religiös geprägt zu sein. Ich möchte Ihnen und kann Ihnen dies nicht absprechen. Nein ich will es auch garnicht. Die Toleranz erfordert für mich aber, das ich auch den Glauben anderer zulasse. Durch Verblendung und Fatanismus entstanden einst Hexenverbrennung und ähnliches. Allerdings muß ich mich schon fragen, woher Sie die Erkenntnis haben, das Gott ein Problem hat.
    Wir Menschen haben diese Probleme. Ob Gott mit dem was wir tun ein Problem hat kann ich nicht sagen.
    Wie schon von anderen, auch Bibelkundigeren wie ich gesagt wurde, ist die Bibel ein Werk der Menschen, die von Menschen für Menschen geschrieben wurde. Durch Übersetzungen und Rückübersetzungen, politische Entscheidungen als auch aus eigenem Kalkül wurde dieses Buch der Bücher immer mehr verändert und teilweise verfälscht.
    Auch ich Glaube an Gott und bin mir dabei ziemlich sicher, das er der gleiche ist wie der, an den Sie Glauben. Nur lasse ich auch nicht Gottesgläubigen die Luft zum atmen. Sie schreiben, Sie tun das auch. Ich sehe es nicht so.
    Wenn ich mir Ihren Beitrag durchlese, finde ich da in der Hauptsache ausschließlich Hinweise auf den christlichen Glauben.
    Auch Muslime, Hindus, Buddisten etc. haben hier bei uns das Problem sterben zu müssen. Ebenso Menschen, die vermeintlich nicht an Gott glauben. Auch bei diesen Menschen sollten wir helfend eingreifen. Hiermit meine ich nicht die Tötung von Menschen durch Todesspritzen, sondern die Begleitung des Sterbens und Loslassens.
    Ich möchte darüber hinaus wiederum darauf hinweisen, das dies meine Meinung ist und ich nicht zwangsläufig für das Moderatorenteam spreche.

    MfG
    Jörg Günther

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  7. #7
    MarcMann
    Kein Forenmitglied Avatar von MarcMann
    Hallo Ihr,

    nun, erstmal vielen Dank für die Reaktionen. Ich erwarte keine Handlungsanweisung (selbst, wenn ich sie gerne hätte), drum sind diese Reaktionen wertvoll für mich, denn ich kann mir Gedanken machen.

    Jörg und Bodo, Eure Beiträge ähneln sich in ihrer Aussage, und sie haben mich sehr nachdenklich gemacht. Gestern habe ich den ersten Tag wieder gearbeitet habe, leider nicht in dem Bereich. Meine Gedanken, Eure Anstöße, habe ich versucht, in irgendeiner Form in die Übergabe einzubringen, ein ebensolches Nachdenken anzuregen. Es schlug völlig fehl (vielleicht lag es daran, daß ich selbst noch sehr unsicher bin in meinen Argumenten). Aber immerhin habe ich mich auf den Weg gemacht.

    Kai, Dein Beitrag geht in eine ähnliche Richtung, doch er bietet einen Ansatz, auch dann zu handeln, wenn sonst niemand zur Verfügung steht. Ich denke, ich sollte mich etwas auf das Besinnen, was ich sonst noch an Wissen habe, neben der reinen Pflege. Ich werde mir Mühe geben, es fällt mir oft schwer, im Streß mich auf Ruhe zu konzentrieren; dann rutsche ich doch immer wieder in den "Bequemen" Weg.

    Johannes, Dich hatte ich persönlich angesprochen, und Deine Antwort ist reichhaltig ausgefallen.
    Grundsätzlich mag ich Dir Recht geben. Wenn alles so laufen und alle so überzeugt denken würden, gäbe es sicher weniger Probleme. Tut es aber nicht und wird es sicher auch nie. Drum bleiben die Probleme und ich muß für mich damit umgehen versuchen.

    Zum Fall: Die Frau liegt an keinen Maschinen, sie liegt einfach nur im Bett und stibt nicht. Kommunikation ist nicht möglich, es kommt keine Reaktion von ihr.
    Was mich ein wenig nachdenklich macht, ist, daß Du schreibst, daß nur die üblichen pflegerischen Tätigkeiten bleiben, wenn sie nicht christlich glaubt. Irgendwie steckst Du dann in der Sackgasse, in der ich jetzt auch stecke. Dazu kommt noch der Beitrag von Jörg bezüglich der Vielzahl an Religionen, die alle den gleichen Anspruch verdienen. Und mit Verlaub: Da bist Du mir eine Antwort schuldig geblieben. Es kann doch nicht sein, daß Du so auf einen Weg festgelegt bist, daß, wenn er fehlschlägt, noch ein bißchen Traurigkeit bleibt, und das war es dann.
    Du hast sicher in Deinem Pflegeheim Bewohner, welche genau Deine Vorgehensweise schätzen. Das macht es leichter. Was passiert, wenn plötzlich eine muslimische Familie in der Tür steht und einen Platz für ihren "Opa" sucht?

    Ansonsten habe ich Deinen Beitrag gelesen und auch er findet Beachtung.

    Marc

    - obwohl ich jetzt Moderator bin, schreibe ich weiterhin so, wie es mir wichtig ist; verschiedene "Rollen" werden genau gekennzeichnet -

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  8. #8
    Aktives Forenmitglied Avatar von Bob Brewer

    Beruf
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    Bereich
    Altenheim
    Registriert
    01.12.2000
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    Lieber Marc!
    Ich konnte bisher nur Beispiele bieten für alte Menschen, die zum teil durch unsichere Ärzte aber häufiger durch "überfürsorgliche" Angehörigen mit allen Mitel am Leben erhalten werden sollen. Die Unsicherheit manche Pflegeperson darf auch nicht fehlen in diese Aufstellung. Mittlerweile stelle ich aber fest, die Bewohner meines Wohnbereichs werden immer jünger und ihre Prognosen sind auch zum Teil schlecht.

    Vorteil für mich im Altenheim ist die Tatsache, dass wir keine Intensivstation haben, bzw. Apparatenmedizin. Doch es werden ganz andere Gedanken kommen, wenn diese junge Menschen (40-50) irgendwann sterben müssen. Es bedarf ohnehin eine stabile Pesönlichkeit, um in die Pflege zu arbeiten. Ich glaube dass manche Mediziner, auch wenn sie medizinisch verantwortlich sind, im ethischen oder moralischen Sinn nicht reifer sind als das Pflegepersonal - und es sind so viele unbeantwortete Fragen.

    Es ist wirklich an der Zeit umfassend über diese Dinge zu sprechen - ohne das uns die Emotionen durchgehen. Vor allem, möglichst sollten wir versuchen einen Konsens zu finden bei all die verschiedene Positionen die heute vertreten werden. Die Gesellschaft versucht diese Verantwortung zu umgehen, indem Gespräche emotionalisiert oder nicht stattfinden, und wir bleiben auf den Problemen sitzen.

    Die spezifische Methoden, die wir jeweils anwenden, um damit fertig zu werden, können wir hier aussprechen. ich glaube Johannes hat Recht, wenn er sagt, er hätte das Gefühl, dass ihm Unrecht getan wurde. Andererseits ist er auch in diese Zeit "gereift", so dass er sagen kann "Für die Frau selber: war sie gläubig? War sie es nicht? Einem nicht gläubigen Menschen mit Gott und der Bibel zu kommen, ist für ihn wie eine Vergewaltigung. Ich sehe mich nicht dazu berechtigt."

    Ich wünsche uns einen guten Austausch - ohne die Befürchtung, es geht mir gleich einer an den Gurgel.

    Grüße
    Bob

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  9. #9
    Joerg Guenther
    Kein Forenmitglied Avatar von Joerg Guenther
    Hallo Bob
    nichts liegt mir ferner jemanden "gleich an die Gurgel zu gehen". Allerdings wünsche ich mir, von meinen Mitmenschen, genauso ernst genommen zu werden, wie sie es selber für sich auch wünschen.

    Zu den Ausführungen von Herrn Paetzold möchte ich noch folgendes hinzufügen:
    1. Auch ein Mensch ohne vermeintlichen Glauben braucht Zuneigung, Liebe und Pflege (auch seelische)
    2. Hierbei ist es unerheblich, welchem Glauben er nachgeht oder ob er überhaupt einen hat.
    3. Auch dieser Mensch ist ein Mensch, der unsere Zuwendung braucht und sie auch in gewissem Sinne konsumiert.
    4. Wenn ich einen Weg des Zuganges finde, ob nun über auch manchmal verschüttete Glaubensgrundsätze oder über Musik oder Geschichten, bin ich verpflichtet diese zu nutzen um ihm zu helfen.
    5. Wenn ich weiter keinen Weg finde hilft es auch diesem Menschen, wenn ich ihm durch z.B. Einreibungen oder Basale Stimmulation etwas Zuneigung oder Zuwendung zu geben.

    Was sonst als unser aller Hilfe bleibt diesen Menschen noch?
    Wir können ihm das Gehen erleichtern oder durch (auch indirekte) Vorwürfe erschweren.

    Noch ein Beispiel aus meiner eigenen Familie:
    Vor nunmehr 14 1/2 Jahren kam meine große Tochter auf die Welt. 14 Tage zuvor starb meine Mutter an MS. Das einzige, woran ich meine Mutter an ihrem letzten Tag auf dieser Welt noch erkannt habe, war, das sie die einzige Frau in diesem Zimmer war, die dunkle Haare hatte. Alles andere war nicht mehr das Bild meiner Mutter.
    Meine Frau und ich kamen damals aus Süddeutschland um von ihr Abschied zu nehmen. Wir konnten ihr noch sagen, das sie Oma eines Mädchens werden wird. Wir mußten in der gleichen Nacht wieder zurück, da ich eigentlich Nachtdienst gehabt hätte. Nachts gegen 23:00 waren wir dann zuhause. Um sechs Uhr morgens kam dann der Anruf meines Vaters..... .

    Ich weiß also sehr wohl, wovon ich rede. Ich weiß aber auch genauso, wie weh es tut, einen geliebten Menschen zu verlieren.

    Des weiteren habe ich des mehrfachen auch schon Sterbebegleitung durchführen dürfen. Es war für mich eigentlich nie eine Belastung, sondern eine Bereicherung meines Wissens um Menschen und ihr Leben und sterben. Häufig waren auch die Gerspräche mit den Sterbenden sehr erstaunlich, gaben sie doch ihren Angehörigen halt und Kraft.

    Unter den Sterbenden waren alte und junge Menschen, die einen haderten mit ihrem Lebn, die andern gingen in Frieden mit sich und dem Umfeld. Allen war aber gemein, das sie die Dinge, die sie zu erledigen hatten zuvor noch erledigt haben wollten. Dem Einen gelang es und erging friedlich, dem Anderen gelang es nicht und hier geschah es dann auch häufiger, das er/sie Probleme hatte zu gehen.

    Einigen von diesen Menschen habe ich noch am Sterbebett versprochen, das ich sie bis zum letzten Geleit begleiten würde. Ich habe dieses Versprechen immer gehalten.

    Interessant war eigentlich auch das alle wußten, das ihre Zeit gekommen war. Meist weit vor den Pflegenden. Das schlimmste ist denke ich, wenn wir (unwissenden) dann diesen doch Wissenden den Vorgang ausreden wollen. Es wird nicht gelingen. Ehrlichkeit ist das einzige was hier noch zählt und was es allen einfacher macht.

    MfG
    J.Günther

    [Dieser Beitrag wurde von Joerg Guenther am 19. Dezember 2000 editiert.]

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  10. #10
    MarcMann
    Kein Forenmitglied Avatar von MarcMann
    Hallo an alle,

    eine Bemerkung zu Beginn: Das, was jetzt hier abläuft, hat das lange Diskutieren zuvor und das Warten lohnend gemacht. Ich wünsche mir, daß es uns allen gelingt, auf einer solchen Basis weiter zu machen.

    Zum Fall: Die Frau lebt noch immer. irgendwie .
    Der Zustand hat sich verschlechtert, dennoch...

    Ich habe in den letzten zwei Tagen in einem anderen Bereich gearbeitet, einerseits gezwungenermaßen, andererseits habe ich es für mich innerlich wohl auch abgelehnt. Ich fühle mich irgendwo auf dem Weg, aber ich fühle mich im Moment noch nicht fähig. Ich bleibe an dem Thema dran.

    Jörg, Dir möchte ich danken für die tiefen Einblicke, die Du uns zuläßt.

    Mehr kann ich heute nicht schreiben, heute brauche ich etwas Abstand.

    Seid alle gegrüßt,

    Marc

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