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  1. #1
    Aktives Forenmitglied Avatar von dr.poops

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    Ausrufezeichen PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Wir haben auf Station immer wieder Probleme mit PatienInnen im Durchgangssyndrom - insbesondere nach großen Herz-oder Bauch-Eingriffen. Einerseits tut mir das immer schrecklich leid und macht mich manchmal hilflos, weil ich mir noch nicht mal im Ansatz auszumalen vermag, was diese Leute für panische Ängste haben müssen (es erschreckt mich zudem auch immer wieder, wenn eindeutige Kriegserlebnisse "wiedererlebt" werden). Andererseits ist es wahnsinnig anstrengend, die PatientInnen zu beruhigen - selten hilft ein Gespräch (wie soll ich "in die Welt" des Patienten kommen?), wir müssen außerdem darauf achten, daß die Leute sich nicht bis zur kompletten Dekompensation aufregen (die notfallmäßige Rückverlegeung von der Normal- auf die Intensivstation ist oftmals Grund dafür). Außerdem ist es natürlich für alle Beteiligten erschreckend und auch nicht immer ganz ungefährlich, wenn ein solcher Patient in seiner Panik/Wut ("die Polizei soll kommen!" und die kommt dann nicht...) plötzlich zutritt oder -schlägt. Wir hatten in den letzten zwei Jahren zwei Kollegen, die im Nachtdienst einen Faustschlag ins Gesicht bzw. einen Tritt an den Kopf kassiert haben - für die war der Dienst nach Aufsuchen der Ambulanz dann erstmal beendet...
    Mich interessiert
    a) mit welchen Methoden - ausgenommen mal "Tavor"-Gaben o.ä. - ist es euch gelungen, einen Patienten vielleicht wieder sanft "landen" zu lassen,
    b) wie ging es euch nach einem Schlag ins Gesicht, Tritten oder ähnlichen Handgreiflichkeiten (z.B. Pat. steht auf und schmeißt die Infusionsflasche in eure Richtung),
    c) inwiefern war für euch Selbstschutz noch machbar?
    Etwas gestresst - dr.poops

    Nicht möglich! Nicht möglich!
    "Es entbehrt jeder Logik, sich über ein Gesellschaftsystem, das man als Ganzes durchschaut hat, immer wieder im Detail zu erhitzen. Man muss es verlassen oder stuerzen, weniger reicht nicht." Wiglaf Droste


  2. #2
    Registriertes Forenmitglied Avatar von docblumenkind

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    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    es gibt bestimmt sehr viel bessere Wege, den Pat. einbeziehende Methoden ect....
    doch komm ich und der Pat relativ gut zurecht mit
    -Vollfixierung
    -Haldol
    -Catapresan
    ...es hört sich schlimm an, doch ist die Sicherheit von Pat. und Pflege gefährdet. Reden ist dabei meist sinnlos aus meiner Erfahrung raus

    lg

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  3. #3
    Tinimaus
    Kein Forenmitglied Avatar von Tinimaus

    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Hi
    Ich kann dazu nur folgendes Beispiel schildern das zum Nachdenken anregt:
    Pat ist Postop im massiven Durchgang, bekommt Saroten iv, wird ruhiger usw, bis nach ein 2 Tagen es uns allen etwas mulmig wird weil Pat weiter ruhig oder durcheinander, es folgt ein SchädelCT und , HOPPLA ein APOPLEX
    so viel zum Thema Durchgang etc Medikamente sind immer mit Vorsicht zu geniessen und manchmal steckt hinter einem Durchgang auch etwas anderes !!!
    LG Tini

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  4. #4
    Aktives Forenmitglied Avatar von ms81

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    Anästhesie
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    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Hi Dr. Poops...

    mit solchen Patienten arbeiten ist immer wieder ein Grenzgang...

    Manchmal bringt Reden und Erklären noch etwas und der Pat. lässt sich damit führen, manchmal geht aber kein Weg drum rum und man muss

    Oft wirkt aber der Paracephan-Perfusor schon wunder und der Pat. beruhigt
    sich.

    Bisher habe ich mir 3x einschenken lassen müssen und jedesmal habe ich gedacht: Warum mach ich die Sch....e hier eigentlich noch! Schlagen lassen muss ich mich nicht, dafür hab ich den Job nicht gelernt.

    Oft wurde aber auch der Zeitpunkt verpasst, den Patienten rechtzeitig adäquat medikamentös abzudecken, da rennt man mehrmals zu den Docs und wird nicht ernstgenommen... Erst wenn die Kuh am fliegen ist wird dann mal reagiert und noch blöde Kommentare abgegeben wenn ein Pat. handgreiflich gegenüber einer Pflegekraft geworden ist... MAn fühlt sich dann ganz toll.....

    Auf "meiner" neuen Station nehmen die Docs solche Hinweise ernst und wir kommen oft um die Fixation rum. Aber halt auch nicht immer...

    Greetz

    MS

    Nicht möglich! Nicht möglich!
    Die Sonne scheint mir auf den Bauch.....



  5. #5
    Gesperrter Benutzeraccount Avatar von MuuuHaaa

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    Niemansland
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    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Hallo,

    kann jetzt kein Beispiel von Intensiv bringen. Wir hatten mal einen Patienten der vom Krankenhaus (von Intensiv) zu uns verlegt wurde.
    In der Übergabe hies es schwer Herzkrank, darf sterben, Intnesiv kommt mit Durchgangssyndrom nach Herz-Op nicht zurecht.
    Patient war Ausländer, sprach schlecht Deutsch und war sowas von unruhig, hat nach der Polizei verlangt. Wir wurden als Ausländerfeindlich beschimpft u.s.w.
    Das Problem war das laut der Übergabe von der Klinik kein Medikament gegeben werden konnte und der Patient jeden moment tot umfallen könnte.

    Uns(bzw. mir) blieb nichts anderes übrig als dem Patienten in einer 1 zu 1 Betreuung versuchen zu führen, da Aufgrund der schweren Herzerkrankung mir die Fixierung wirklich so sinnvoll erschien, für die ich von den Docs grünes Licht hatte, aber im Team haben wir uns dagegen ausgesprochen.
    Am Rande bemerkt wir hatten zu zweit Dienst.

    Nun irgentwie, zum Teil mit Hilfe von anderen Stationen haben wir das Ding, bzw. den Patienten geschaukelt bekommen, ohne medikamentöser Abschuss und ohne Fixierung. (Ich frag mich bis heute wie*am Kopf kratz)

    Am nächsten Tag, nachdem wir ihn "unter beobachtung" auf Station "laufen liesen" war der Patient wie ausgewechselt (*wisch mir immernoch den Schweiß von der Stirn)
    Zum Glück.

    Ich kann nur sagen, es gibt kein endgültiges Rezept. Manchmal hilft validieren oder das die Patienten einen für einen anderen halten (und man im Prinzip diese Rolle ausnutzt), machmal hilft dieses Medikament manchmal ein anderes.
    Angegriffen wurde ich schon (war ein paar Wochen krankgeschrieben), am im endeffekt kommt das immermal vor und manchmal überlege ich ob dies vielleicht auch mal in unsere Stellenbeschreibung gehört*grins
    Trotzdem macht mir der Beruf Spass und man muss halt immer mit allem rechnen.

    auch wenn ich nicht wirklich weiterhelfen konnte und die eine oder andere nicht so koschere "beschreibung" sei mir bitte verziehn. So bin ich nun mal und es ist meine Art.

    Gruß

    Vader

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    WITZ IST TRUMPF

  6. #6
    Erfahrenes Forenmitglied Avatar von HBR69

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    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Man sollte bei dieser ganzen Sache auch mal an die anderen Mitpatienten denken. Wir haben 12 Betten und wenn ein Patient die Nacht zum Tage macht hilft das niemanden so richtig. Das heißt, dass wir schon bemüht sind (wenigstens in der Nacht) Ruhe auf unserer Station einkehren zu lassen.
    Wie schon von allen beschrieben denke auch ich, dass es kein "Patentrezept" dafür gibt.
    Wir versuchen es ersteimal mit Paracefanperfusor. Meistens reicht das schon fürs Erste. Was oft vergessen wird ist eine gescheite Analgesietherapie. Wenn also ein Patient sooo unruhig ist versuche ich heraus zubekommen, wo der Grund liegt. Oftmals sind es dann eben die Schmerzen.....

    Fixierung meistens nur mit Bauchgurt und, wenn nicht anders möglich, mit Handfixierungen. Oftmals werden die Patienten ja gerade dadurch nur noch unruhiger. Ich möchte auch nicht an Hände und Füßen gefesselt im Bett liegen.......und zwar in keiner Situation

    Gruß
    Heike

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    Wer zuletzt lacht stirbt fröhlich!!!


  7. #7
    Registriertes Forenmitglied Avatar von Böse

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    Standard Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Servs!
    Ich hab vor einiger Zeit in einer Fachtzeitschrift über den Umgang mit Dementen Pat. gelesen, das man mit Floskel, Redewendungen und Sprüchen usw. sehr weit kommt- seither spreche ich mit Durchgängigen Pat., wenn keine Normale Kummunikation möglich, in Redewendungen usw. und siehe da die Leute werden ruck zuck gut führbar- denn was sie kennen verstehen sie auch im Durchgang!
    P.S. funktioniert nicht immer leider

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  8. #8
    Aktives Forenmitglied
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    Avatar von dr.poops

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    Icon7 Re: PatientInnen im Durchgangssyndrom

    Huhu! Bin fürs erste erleichter, daß es euch ähnlich geht wie mir. Es nervt, es macht ratlos und manchmal auch verdammt sauer. Ich bin auch immer wieder tüchtig erstaunt darüber, wie lange Menschen ohne Schlaf auskommen können, wenn sie tage-und nächtelang da herumtoben und wieviele Medikamente sie in dieser Phase wegstecken. Ich bin eine trainierte und kräftige Frau und ich bin mir sicher, daß mich die Hälfte der gegebenen Substanzen eines Nachtdienstes eine Woche schlafen ließen. Es tut mir für die PatientInnen auch oftmals sehr leid, wenn klar zu erkennen ist, daß die einfach eine Scheiß-Angst vor uns haben. Das empfinden glaube ich auch viele als Kränkung, "ich will dem nix böses und der tritt nach mir und tafelt mir eine!" Ich denke, wenn man sich eine eingefangen hat, ist auch Ende der Fahnenstange. Da kann man dann eigentlich nur noch gehen (z.B. in die Ambulanz...) dr.poops

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