+ Antworten + Neues Thema starten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 13
  1. #1
    Registriertes Forenmitglied Avatar von Basi

    Beruf
    KS/Bibu/Pdl/Studentin
    Bereich
    Altenhilfe
    Registriert
    18.01.2003
    Beiträge
    39

    Beitrags-Bewertungen:
    Erhalten: 0/0
    Vergeben: 0/0
    "Fixierung durch Medikamente"

    Wer kann mir erklären, was man darunter genau versteht. Wie und mit was wird so was gemacht. Welche rechtlichen Hintergründe gibt es dazu.

    Es dankt Euch schon jetzt
    Basi

    Nicht möglich! Nicht möglich!
    Man gibt immer den Verhältnissen die Schuld für das, was man ist. Ich glaube nicht an die Verhältnisse. Diejenigen, die in der Welt vorankommen, gehen hin und suchen sich die Verhältnisse, die sie wollen, und wenn sie sie nicht finden können, schaffen sie sie selbst. <BR>George Bernard Shaw


  2. #2
    Ingo Tschinke
    Kein Forenmitglied Avatar von Ingo Tschinke
    Hallo Basi,

    früher hat man in der Psychiatrie Menschen, welche unter starken Erregungszuständen litten und/oder selbst- und fremdgefährdend waren fixiert, d.h. gebändigt mit Gurten und Gürteln, heute nimmt man hauptsächlich Segufix Gurte dazu.
    Eine Fixierung kann aber durch die Anwendung niederpotenter Neuroleptika (Neurocil, Atosil, Dipiperon) zur Sedierung, als auch durch Benzodiazepine (oder auch Anxyolitika) wie Bromazepam, Diazepam, Tavor (meist bei starken Angstanfällen und Selbstgefährdung) sowie hochpotenter Neuroleptika (Haldol, Glianimon - der alten Garde, oder Zyprexa, Risperdal, Fluanxol - der neueren Garde) bei Wahnvorstellungen gegeben werden. Neurocil ist als chemischer Gummiknüppel bekannt, selbst stärkste Unruhezustände bekommt man mit 150 mg Neurocil niedergeprügelt. Neuroleptika sorgen für eine starke Sedierung und Beruhigen, aber sie schränken massiv ein, halten einem in einem Emotinalkorsett, haben massiv viele Nebenwirkungen und machen auf die Dauer stumpf und sorgen für Spätfolgen wie Spätdyskenisien. Die Benzodiazepien beruhigen zwar auch, lösen aber nichts, sie sorgen für den rosaroten Blick und sind stark suchtgefährdend.

    Cheers

    Ingo

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  3. #3
    Registriertes Forenmitglied
    Themenstarter/-in
    Avatar von Basi

    Beruf
    KS/Bibu/Pdl/Studentin
    Bereich
    Altenhilfe
    Registriert
    18.01.2003
    Beiträge
    39

    Beitrags-Bewertungen:
    Erhalten: 0/0
    Vergeben: 0/0
    Hallo Ingo, danke für die Antwort.
    Aber ich muss die Frage noch konkreter Stellen. Es gibt die Möglichkeit das bei Antrag für freiheitsentziehende Maßnahmen, eben eine solche mit Medikamente angeordnet werden kann. Mich interessiert, was für eine Indikation dahinter stecken muss. Ist das jetzt ein Einzelfall, was ganz Neues oder werden wir im Pflegeheim jetzt häufiger damit konfrontiert?

    Schönen Gruss an alle und Ingo,
    Basi ;)
    PS: Ohne Wertung ob es eher gut oder schlecht für uns ist. Das wäre dann die sich daraus ergebende Frage.

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  4. #4
    Ingo Tschinke
    Kein Forenmitglied Avatar von Ingo Tschinke
    Hi Basi

    das ist nichts neues. Siehe dazu

    § 1906 Genehmigung des Vormundschaftsgerichts bei der Unterbringung
    (1) Eine Unterbringung des Betreuten durch den Betreuer, die mit Freiheitsentziehung verbunden ist, ist nur zulässig, solange sie zum Wohl des Betreuten erforderlich ist, weil 1. auf Grund einer psychischen Krankheit oder geistigen oder seelischen Behinderung des Betreuten die Gefahr besteht, dass er sich selbst tötet oder erheblichen gesundheitlichen Schaden zufügt, oder 2. eine Untersuchung des Gesundheitszustands, eine Heilbehandlung oder ein ärztlicher Eingriff notwendig ist, ohne die Unterbringung des Betreuten nicht durchgeführt werden kann und der Betreute auf Grund einer psychischen Krankheit oder geistigen oder seelischen Behinderung die Notwendigkeit der Unterbringung nicht erkennen oder nicht nach dieser Einsicht handeln kann.

    (2) Die Unterbringung ist nur mit Genehmigung des Vormundschaftsgerichts zulässig. Ohne die Genehmigung ist die Unterbringung nur zulässig, wenn mit dem Aufschub Gefahr verbunden ist; die Genehmigung ist unverzüglich nachzuholen.

    (3) Der Betreuer hat die Unterbringung zu beenden, wenn ihre Voraussetzungen wegfallen. Er hat die Beendigung der Unterbringung dem Vormundschaftsgericht anzuzeigen.

    (4)Die Absätze 1 bis 3 gelten entsprechend, wenn dem Betreuten, der sich in einer Anstalt, einem Heim oder einer sonstigen Einrichtung aufhält, ohne untergebracht zu sein, durch mechanische Vorrichtungen, Medikamente oder auf andere Weise über einen längeren Zeitraum oder regelmäßig die Freiheit entzogen werden soll.

    (5) Die Unterbringung durch einen Bevollmächtigten und die Einwilligung eines Bevollmächtigten in Maßnahmen nach Absatz 4 setzt voraus, dass die Vollmacht schriftlich erteilt ist und die in den Absätzen 1 und 4 genannten Maßnahmen ausdrücklich umfasst. Im Übrigen gelten die Absätze 1 bis 4 entsprechend.

    Cheers

    Ingo

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  5. #5
    Registriertes Forenmitglied
    Themenstarter/-in
    Avatar von Basi

    Beruf
    KS/Bibu/Pdl/Studentin
    Bereich
    Altenhilfe
    Registriert
    18.01.2003
    Beiträge
    39

    Beitrags-Bewertungen:
    Erhalten: 0/0
    Vergeben: 0/0
    Danke Ingo,
    wie sieht es dann mit dem Umkehrschluss aus, warum müssen wir nicht bei wesentlch mehr Bewohnern die richterliche Genehmigung einholen?
    Z.B. wenn sie aus einem psychiatrischen Krankenhaus kommen und dort "eingestellt" wurden.

    Hoffe Du hast auch dafür etwas parat. Vielleicht gibt es ja auch noch Praktiker aus anderen Heimen, die sich dazu schon mal Gedanken gemacht haben.

    Gruss Basi

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  6. #6
    Ingo Tschinke
    Kein Forenmitglied Avatar von Ingo Tschinke
    Hallo Basi,

    eine medikamentöse Einstellung bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass der Betroffene medikamentös Fixiert - im Sinne einer freiheitsentziehenden Maßnahme - ist. Freizeitentziehend heißt in diesem Falle, dass Patienten unter Zwang die Medikamente zugeführt werden, die sie in ihrer Bewegungsfähigkeit massiv beschränken. Kein Dementer Patienten würde in so einem Zustand auf ein Medikament eingestellt werden. Natürlich sollte man kritisch mit der medikamentösen Einstellung umgehen und es mit dem behandelnen Arzt besprechen, wie hoch die Medikation im heimischen Umfeld gefahren werden sollte.

    Cheers

    Ingo

    Nicht möglich! Nicht möglich!


  7. #7
    Registriertes Forenmitglied
    Themenstarter/-in
    Avatar von Basi

    Beruf
    KS/Bibu/Pdl/Studentin
    Bereich
    Altenhilfe
    Registriert
    18.01.2003
    Beiträge
    39

    Beitrags-Bewertungen:
    Erhalten: 0/0
    Vergeben: 0/0
    Hallo Ingo,
    mir ist es immer noch nicht klar. Es geht doch gerade z.B. um weglaufgefährtete Menschen, demente Menschen. Was meinst Du dann (Zitat: Kein Dementer Patienten würde in so einem Zustand auf ein Medikament eingestellt werden.) damit.
    Was ist dann, wenn ich einen Bewohner habe, der in seiner "guten" Zeit selbst Antidiabetika verweigert hat. Wäre das nicht das Paradebeispiel für die Genehmigung von Medikamenten. Seit der Einstellung klappt es mit allen Medikamenten.
    Wo sind nun die Grenzen zwischen der nötigen amtlichen Genehmigung und der ärztlichen Verordnung?

    Gruss Siggi

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  8. #8
    Ingo Tschinke
    Kein Forenmitglied Avatar von Ingo Tschinke
    Hallo Basi,

    mit meiner Aussage habe ich gemeint, dass man in der Gerontopsychiatrie niemals demente Menschen ständig auf ein stark sedierendes Medikament einstellt, schließlich will ja heutzutage niemand mehr dem Prinzip satt-sauber-still folgen. Natürlich ist es ein alltägliche Gradwanderung inwieweit man bei der täglichen Betreuung zu Zwang greifen muss. Dazu ist es notwendig, dass man sich mit dem auseinandersetzt. Es gibt auch einiges Literatur hierzu wie folgende Bücher:
    -
    - Ein unkonventionelles Buch erwartet seine Leser. Es gibt nichts Schwierigeres als Beziehungen, heißt es gemeinhin. Am schwierigsten aber sind Beziehungen zu Menschen, die sich nicht mehr an die Verhaltensregeln der Erwachsenenwelt halten können, die von Normen abweichen und den Ausdruck ihrer Freuden,ängste, Phantasien, Bösartigkeiten und Gelüste (die wir alle haben) nicht mehr kontrollieren können. Der Autor eröffnet ungewohnte Sichtweisen, indem er vertraute Reaktionsformen von Angehörigen und Pflegenden in Frage stellt und Vorschläge für andere Formen des Umgangs anbietet. Mit viel Verständnis und Nachsicht für die menschlichen Schwächen beider Seiten werden Wege zu einem gelassenen und entlastenden Umgang mit den starrsinnigen Alten aufgespürt. Dabei erhebt der Autor an keiner Stelle den Zeigefinger. In so manchen Beispielen aus der Praxis der Altenpflege wird sich der Leser mit einem Lächeln selbst wiedererkennen.
    - Wer in der Pflege psychisch beeinträchtiger älterer Menschen arbeitet, erlebt schwierige Situationen. Wie man solchen Situationen begegnet, zeigt dieses Buch. Die Leitlinien geben Sicherheit durch einen Überblick über das, was passieren kann und wie man damit kompetent umgehen kann. Die Einführung über Krankheitsbilder und -entwicklungen bietet Gelegenheit, das Wissen für die Praxis mit Informationen über Ursachen und Hintergründe zu verknüpfen.
    - E. Böhm schafft das Kunststück, Praxis und Theorie der Altenpflege miteinander zu verbinden. Er propagiert einen Blick auf die Pflege, der einmal nicht vom zwanghaften Bedürfnis des Helfers, zu helfen, geleitet ist, sondern von den tatsächlichen Bedürfnissen der alten Menschen. Diese lassen sich allerdings nur erkennen, wenn ich mich als Pflegender wirklich auf eine Begegnung und eine Beziehung einlasse und mich selbst mit meiner Biographie ins Spiel bringe. Genau davor haben aber viele Pflegende Angst. Um Bewegung in die Pflege zu bringen, muß nach Böhm "zuerst die Seele bewegt werden" - der Körper folgt nach! Im Vordergrund steht die tatsächliche Würde des Individuums, nicht das Bild, das wir gerne von den Alten hätten.
    Wunderbar anschaulich, witzig und intelligent zu lesen nach dem Motto: mehr Hirn in die Pflege! Leichte Kritik: teilweise etwas unsystematisch aufgebaut.
    -

    Ich hoffe dir damit etwas weiter geholfen zu haben, mein eigener Erfahrungshorizont mit Alzheimererkrankten und der spezifischen Gerontopsychiatrie sind etwas begrenzt.

    Cheers

    Ingo

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  9. #9
    Ingo Tschinke
    Kein Forenmitglied Avatar von Ingo Tschinke
    Hallo Basi,

    das Thema Fixierung wurde auf dem Pflegeboard schon einmal diskutiert - ist zwar schon zwei Jahre her, aber ja immer noch aktuell. Hier ist der

    Cheers

    Ingo

    Nicht möglich! Nicht möglich!

  10. #10
    Registriertes Forenmitglied
    Themenstarter/-in
    Avatar von Basi

    Beruf
    KS/Bibu/Pdl/Studentin
    Bereich
    Altenhilfe
    Registriert
    18.01.2003
    Beiträge
    39

    Beitrags-Bewertungen:
    Erhalten: 0/0
    Vergeben: 0/0
    Danke Ingo, ich werde mich in den Link einlesen, die empfohlen Bücher wurden von mirzum Teil gelesen. Trotzdem hier noch ein anderer Denkansatz.
    Ich setzte mich im Rahmen des Studiums mit der Emanzipation bzw. Unterordnung der Pflege auseinander. Vielleicht ist hier die Antwort darauf zu finden, warum es seltener zur gerichtlichen Genehmigung freiheitsentziehender Medikamente kommt, als zur Genehmigung eines Bauchgurtes. Die Anordnung eines Medikaments ist primär ärztliche Aufgabe und keine Pflegkraft würde selbst bei Selbstgefährdung ohne Rücksprache mit dem Arzt ein Medikament geben. Jedoch würde eine Pflegekraft um Selbstgefährdung abzuwenden, Würde wohl erst der Bauchgurt anlegt und dann der Arzt verständigt. Für mich sieht das so aus, dass primär pflegerische Entscheidungen hier gerichtlich abgesichert werden müssen, jedoch Ärzte werden bei der Gabe von Medikamenten schon immer im Interesse des Menschen handeln.

    Gruss Basi

    Nicht möglich! Nicht möglich!

Direkt antworten Direkt antworten

Bereits registriert? Dann bitte erst einloggen.

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 03.06.2013, 16:52
  2. Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 21.02.2011, 17:41
  3. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 17.12.2010, 10:49
  4. Antworten: 98
    Letzter Beitrag: 02.04.2008, 16:40

Häufigste Suchbegriffe

freiheitsentziehende medikamente

medikamentöse fixierung

fixierung durch medikamente

genehmigungspflichtige Medikamente

Liste Freiheitsentziehender Medikamente

fixierung medikamente

fixierung mit medikamenten

fixierung durch psychopharmaka

welche medikamente fixieren

liste freiheitsentziehende medikamente

Medikamente als Fixierung

sedierung psychiatrie

Freiheitsentziehung durch Medikamente

sedierung durch medikamente

liste genehmigungspflichtiger medikamente

liste genehmigungspflichtige medikamente

medikamente fixierung

medikamente bei fixierung

fixierung neuroleptika atosil

medikamente zur fixierung

sedieren oder fixieren

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Ja
  • Themen beantworten: Ja
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Seitenanfang