• 01.07.2013, 17:28
    pr4yR
    Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger usw
    Werte KollegInnen,

    In der Einrichtung in der ich arbeite (Eingliederungshilfe/SGB XI) werden Behandlungspflegerische Tätigkeiten durch nicht medizinisch ausgebildetes Personal ausgeführt (Erzieher, Heilerziehungspfleger)
    Auch in anderen Einrichtungen für behinderte Menschen im allgemeinen wird ja des öfteren Behauptet, dass "man" sich in einer Art rechtlichen Grauzone befinden würde und aufgrund dessen behandlungspflegerische Tätigkeiten auch durch nicht examiniertes Personal ausgeführt werden dürfe - was so meines Erachtens nicht den Tatsachen entspricht und mir grob Fahrlässig erscheint.

    Aus sicht einiger Pflegerechtler stellt die Delegation behandlungspflegerischer Maßnahmen an pädagogische Fachkräfte einen Verstoß gegen das Sozialversicherungsrecht dar und kann straf- u. zivilrechtliche Folgen für delegierende und durchführende Personen nach sich ziehen. (ab Seite 10 mit Bezug auf die Behindertenhilfe).[Kein Link zu sehen ?]


    Wieder und wieder habe ich mich mit dem Thema Behandlungspflege im Rahmen der Behindertenhilfe auseinandergesetzt.
    Diesmal bin Ich auf ein interessantes Dokument des Gesundheitsamtes Baden-Würtemberg gestoßen.
    [Kein Link zu sehen ?]




    Ich erwäge Klage beim Sozialgericht Berlin gegen die Kostenträger (Sozialämter, Pflegekassen usw.) sowie die Heimaufsicht wegen verstoß gegen das Sozialversicherungsrecht einzureichen, da für Behandlungspflegen laut geltender Rechtsprechung grundsätzlich die formelle Qualifikation der durchführenden Personen von Belang ist (also die Frage ob exam. Pflegefachkraft oder nicht).


    Wie seht ihr diesen Sachverhalt?

    Vielen Dank vorab.
  • 02.07.2013, 00:09
    Maadla
    Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleg
    Ganz ehrlich? Wie stellst du dir das vor (konnte deine links leider nicht öffnen)? Sämtliche Erzieher in Kinder- und Jugendpsychiatrien dürften weder Blutdruck messen, noch Medikamente verteilen, sämtliche Heilerziehungspfleger in Behinderteneinrichtungen dürften nicht mehr Kateterisieren oder Peg-Sonden anschließen. Was bedeuten würde, sie könnten keinen Dienst mehr alleine machen, obwohl sie als Fachkraft gelten. Sie bräuchten immer eine pflegerische Fachkraft in der Nähe, wer soll das bezahlen? Das würde Bedeuten Erzieher könnten beispielsweise in diesen Berufsfeldern nicht mehr arbeiten.

    In diesen Bereichen ist es ganz normal in einem multiprofessionellen Team zu arbeiten. Den pflegerischen Fachkräften fehlt eindeutig die pädagogische Fachkompetenz und umgekehrt. Für die Betreuung diesen Klientels braucht es aber beides. Wenn sich die pädagogische Fachkraft nach Schulung due Behandlungspflege zutraut, spricht meiner Meinung nichts dagegen. Ebenso muss sich in diesen Bereichen nach fachlicher Schulung auch die Pflegefachkraft mit pädagogischem Handeln auseinandersetzen

    Sicher ist es eine Grauzone, aber es spricht nach Schulung und fachlicher Einweisung einschließlich ärztlicher Verordnung nichts dagegen (wenn man sich die Arbeit nicht zutraut, kann man diese aber trotz fachlicher Einweisung verweigern).

    Es ist also nichts verbotenes und wer es sich nicht zutraut muss sich eine andere Stelle suchen oder verweigern. Ich selbst habe nach Einweisung in meiner Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie u.a. Medikamente gestellt und verteilt, Blutdruck und Blutzucker gemessen, später ebenso in einer geschlossenen Wohnpflegegruppe für geistig behinderte Erwachsene Medikamente verteilt usw. Natürlich musste die Einweisung sein und die ärztliche Anordnung (einschl. Bedarfsmedikation).

    In einschlägigen Stellenangeboten (z.B.Pennigparade) steht im Anforderungsprofil für Erzieher u.a. Grund- und Behandlungspflege drin.

    Natürlich muss die pädagogische Fachkraft ebenso für Fehler gerade stehen, sie haftet also dafür, wenn sie beispielsweise trotz Schulung aus Faulheit Insulin immer in die gleiche Stelle spritzt und der Klient dadurch etwa eine Entzündung erleidet.

    Schönen Abend noch!
  • 02.07.2013, 01:19
    pr4yR
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Ich hau die Links nochmal rein, ohne die ist keine Debatte möglich...
  • 02.07.2013, 03:07
    ms-sophie
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Hallo pr4,

    vielleicht solltest du erst nochmal richtig recherchieren. Heilerziehungspfleger sind nämlich sehr wohl Pflegefachkräfte und dürfen auch die entsprechenden Behandlungspflegen durchführen.

    Sophie
  • 02.07.2013, 11:57
    Kessia
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Zitat:

    Zitat von ms-sophie [Kein Link zu sehen ]
    Hallo pr4,

    vielleicht solltest du erst nochmal richtig recherchieren. Heilerziehungspfleger sind nämlich sehr wohl Pflegefachkräfte und dürfen auch die entsprechenden Behandlungspflegen durchführen.

    Sophie

    Was??

    Heilerziehungspfleger sind nicht nach dem Alten-und Krankenpflegegesetz ausgebildet und haben auch keine staatliche Ausbildung (Examen), also dürfen sie lt. SGB XI auch keine Behandlungspflegen durchführen und werden demnach auch nicht als Pflegefachkräfte angesehen.
  • 02.07.2013, 13:36
    pr4yR
    Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Zitat:

    Zitat von ms-sophie [Kein Link zu sehen ]
    Hallo pr4,

    vielleicht solltest du erst nochmal richtig recherchieren. Heilerziehungspfleger sind nämlich sehr wohl Pflegefachkräfte und dürfen auch die entsprechenden Behandlungspflegen durchführen.

    Sophie

    Da haben wir es wieder. Grundsätzlich hat Kessia recht, dazu gibt es auch Gerichtsurteile die eben diese Sichtweise untermauern.

    Im Folgenden der Beweis!

    Gern wird zum Thema "Pflegefachkraft oder Nicht?!" der §71 SGB XI angeführt.
    §71 SGB XI - Bei ambulanten Pflegeeinrichtungen, die überwiegend behinderte Menschen pflegen und betreuen, gelten auch nach Landesrecht ausgebildete Heilerziehungspflegerinnen und Heilerziehungspfleger sowie Heilerzieherinnen und Heilerzieher mit einer praktischen Berufserfahrung von zwei Jahren innerhalb der letzten acht Jahre als ausgebildete Pflegefachkraft. (Dies gilt dementsprechend wohl nur im ambulanten Bereich und befähigt nicht automatisch zu jeder behandlungspflegerischen Tätigkeit - von staatl. anerkannten Erziehern ist da bei weitem nicht die Rede)

    Das Sozialgericht hatte dabei insbesondere
    die Rechtsfrage zu entscheiden, ob für das,
    die pflegerische Qualität gewährleistende
    Kriterium der „Eignung“ allein auf die
    materielle Qualifikation, also auf das
    auswählen und anlernen von Nicht Pflegefachkräften (Anmerkung Meinerseits: HEP`s, Erzieher)abzustellen ist, oder ob
    vielmehr die formelle Qualifikation die
    entscheidende Voraussetzung für die Übernahme der Delegation behandlungspflegerischer Maßnahmen ist.
    Das Sozialgericht hat die formelle Qualifikation als entscheidend angesehen.

    Als Ziel wird – in Übereinstimmung mit § 11 Abs. 1 Satz 1 SGB XI
    – unter anderem formuliert, dass die Pflege fachlich kompetent nach den allgemein anerkannten pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen erbracht
    wird (Ziffer 1.1). In Ziffer 3.1.1.2 ist festgehalten, dass die angebotenen Pflegeleistungen unter ständiger Verantwortung
    einer ausgebildeten Pflegefachkraft durchzuführen sind. Die fachlichen Voraussetzungen als verantwortliche Pflegefachkraft erfüllen dabei nach Ziffer 3.1.2.1
    lediglich diejenigen Personen, die entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen in
    der jeweils gültigen Fassung die Erlaubnis
    zur Führung der Berufsbezeichnung

    „Krankenschwester/-pfleger“ oder „Kinderkrankenschwester/-pfleger“ (a) oder die
    aufgrund einer landesrechtlichen Regelung
    die Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung „Altenpflegerin/-pfleger“ staatlicher Anerkennung (b) besitzen. In Ziffer
    3.1.3 heißt es schließlich, dass die vollstationäre Pflegeeinrichtung geeignete Kräfte
    entsprechend ihrer fachlichen Qualifikation bereitzustellen hat, wobei Hilfskräfte
    und angelernte Kräfte nur unter der lichen Anleitung einer Fachkraft tätig
    werden.

    Des Weiteren habe ich hier noch eine interessante Gegenüberstellung der Ausbildungsinhalte von HEP`s gefunden die für sich sprechen sollte!
    [Kein Link zu sehen ?]

    Aus der Grafik geht hervor, dass HEP`s erstmal glatt 1000 h weniger Ausbildung im Allgemeinen ableisten. Die Unterschiede bezügl. der Praxiszeiten im Pflegebereich sowie der Pflegetheorie sind derart eklatant, dass es mir einfach vermessen erscheint sich als vollwertige Pflegefachkraft zu fühlen. Eher sind HEP`s wohl pädagogische Fachkräfte mit grundpflegerischen Kenntnissen. Und das bezweifelt ja auch niemand!
  • 02.07.2013, 16:49
    Alraune
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Es gibt in NRW Rahmenempfehlungen der Heimaufsichten und Vertretern der Wohlfahrtsverbänden, die sich der Thematik angenommen haben. Die formale Qualifikation ist da auch nur ein Teilkriterium. Ich bin leider daran gescheitert, die Quelle als PDF anzuhängen.
    Außerdem sind hier bei uns (NRW)jährliche Theoretische und praktische Unterweisungen der nicht pflegerisch ausgebildeten Mitarbeiter in die Pflegestandards vorgeschrieben.
  • 02.07.2013, 17:31
    Alraune
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Ich kann den Beitrag nicht mehr bearbeiten, hier als Link [Kein Link zu sehen ]
    bezieht sich allerdings auf eine ältere Version
    Gruß
    Alraune
  • 03.07.2013, 00:07
    pr4yR
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    De Facto macht es für die Dienstleister/Wohlfahrtsverbände aus betriebswirtschaftl. Gesichtspunkten überhaupt keinen Sinn behandlungspflegen anzubieten, denn das Haftungsrisiko erhöht sich deutlich, doch vergütet werden diese "Leistungen" nicht.
    Ganz zu schweigen von der einfach zu niedrigen Qualität auf Kosten der Klienten.
    Die einzigen Gewinner dieser Situation sind die Kostenträger.

    Zur derzeit hoch aktuellen Diskussion der Delegation behandlungspflegerischer
    Maßnahmen in Einrichtungen der Behindertenhilfe ist folgendes festzuhalten:
    Die von der gemeinsamen Arbeitsgruppe
    von Vertretern der Heimaufsichten und der
    Freien Wohlfahrtspflege (Behindertenhilfe) in Nordrhein-Westfalen erarbeiteten
    Rahmenempfehlung „Behandlungspflege in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe“ in der Fassung vom
    13.01.2005 muss im Lichte des vorliegen-den Urteils und der hier zitierten weiteren
    Urteile als rechtlich äußerst bedenklich angesehen werden.

    Insbesondere der den
    Empfehlungen beigefügte Katalog der behandlungspflegerischen Maßnahmen, in
    dem angelernte Kräfte (sog. „Andere Mitarbeiter“; gemeint sind damit Erzieher, Pädagogen etc.)
    bestimmte behandlungspflegerische Tätigkeiten zugewiesen werden können, muss insgesamt als unzulässig
    angesehen werden.

    Eine derartige Delegation ist nicht nur aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht unzulässig, sondern auch
    und vor allem aus zivilrechtlicher und strafrechtlicher Sicht (siehe oben) äußerst
    bedenklich und stellt nach der Auffassung des Bearbeiters sowohl für den Einrichtungsleiter bzw. die anweisende Führungskraft als auch für die die Behandlungspflege durchführenden angelernten Mitarbeiter
    ein unzumutbares Haftungsrisiko dar. Dies
    geht auch aus der einschlägigen verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hervor.


    So kommt z.B. das Verwaltungsgericht
    Wiesbaden (Urt. v. 12.11.2004 – 2 E
    1259/02 (3)) zu der Feststellung, dass der
    Wechsel einer Trachealkanüle nur von
    medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden darf, da es sich um eine
    medizinisch indizierte Tätigkeit handelt,
    die zwar nicht zwingend von einem Arzt,
    aber doch zumindest von einer entsprechend geeigneten Fachkraft durchzuführen
    ist. Darüber hinaus sei, so das Verwaltungsgericht Wiesbaden, der den Wechsel
    der Trachealkanüle Vornehmende über die
    damit verbundenen Risiken und die Folgen
    für den Fall fehlerhaften Handelns aufzuklären.
    Zwar müssen – wie das Bundessozialgericht in seiner Entscheidung vom
    01.09.2005, PflR 2006, 74 ff. zutreffend
    festgestellt hat – Einrichtungen der Behindertenhilfe im Gegensatz zu Pflegeheimen
    keine medizinisch vorgebildeten Pflegefachkräfte im Sinne des § 71 Abs. 1 - 3
    SGB XI beschäftigen. Hieraus ergibt sich
    jedoch, dass Einrichtungen der Behindertenhilfe „oft nicht in der Lage (sind),
    qualifizierte medizinische Behandlungspflege für die Heimbewohner zur Verfügung zu stellen“ (BSG, PflR 2006, 79).
    Daher haben Einrichtungen der Behindertenhilfe letztlich nur die Möglichkeit – bei
    entsprechend anfallenden behandlungspflegerischer Tätigkeiten – entweder selbst
    geeignetes Pflegefachpersonal einzustellen
    oder die notwendigen Leistungen der häuslichen Krankenpflege durch Beauftragung
    externer Pflegedienste zu beschaffen, wobei die Einrichtungsträger unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten im Rahmen der nach § 75 Abs. 3, § 76 SGB XII
    erforderlichen Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen gegenüber dem Sozialhilfeträger geltend machen können (siehe
    BSG, PflR 2006, 79).
    (Bearbeitet von Rechtsanwalt Robert Roßbruch)
    [Kein Link zu sehen ?]
  • 03.07.2013, 07:18
    ms-sophie
    AW: Behandlungspflegen durch Pädagogische Fachkräfte (Erzieher, Heilerziehungspfleger
    Hallo Kessia,

    Zitat:

    Heilerziehungspfleger sind nicht nach dem Alten-und Krankenpflegegesetz ausgebildet und haben auch keine staatliche Ausbildung (Examen), also dürfen sie lt. SGB XI auch keine Behandlungspflegen durchführen und werden demnach auch nicht als Pflegefachkräfte angesehen.
    Heilerziehungspfleger ist keine bundeseinheitliche Ausbildung. In manchen Bundesländern sind es Pflegefachkräfte. Auch hier gibt es staatlich anerkannte Ausbildungen. Und es gibt auch Altenpfleger und Krankenpfleger ohne staatliche Anerkennung.

    Sophie